Vorwort
Die Gerstenberger Höfe befinden sich auf dem Gelände einer ehemaligen
Möbelfabrik, die gut vor 100 Jahren genau an diesem Platz gegründet
wurde.
In dieser Fabrik befand sich die modernste Möbelfabrikation vor dem
1. Weltkrieg in Deutschland. Es wurden Möbel in alle Welt direkt vom
Oderufer aus verschifft. Die meisten der ca. 20 Gebäude, die noch heute
auf dem Gelände stehen, wurden um die Jahrhundertwende gebaut. Höhepunkt
der baulichen Tätigkeit war die Fertigstellung des Ausstellungspalastes
in der Berliner Straße, der für die Präsentation der Möbelstücke bestimmt
war.
Es war der erste Stahlbetonbau in Frankfurt (Oder). In seiner Architektur
ähnelt er sehr dem ehemailgen Wertheim in Berlin. Viele Leute kamen
damals nach Frankfurt, nur um dieses Gebäude zu sehen.
In der 1500-Mann starken Fabrik wurde in 4 Etagen produziert. Hochmoderne
Absauganlagen brachten die anfallenden Holzspähne zum firmeneignen Heizkessel,
über den der Strom für die Fabrik erzeugt wurde.
Im zweiten Weltkrieg wurde die Innenstadt von hier aus mit Strom notversorgt,
da alle anderen Einrichtungen zerbombt waren.
Heute füllen sich die alten Gemäuer in dunkelrotem Klinker nach und
nach mit Leben. Aus dem alten Kesselhaus wurde das "Theater des Lachens",
aus einem Produktionsgebäude das "Theater im Schuppen" und der "Kinderschuppen",
aus einem weiteren die Studentenkneipe "Le Frosch" .
In den ehemailgen Tischlereien befindet sich heute die "Musikfabrik".
Planungsbüros, Steuerberater, Werbeagenturen, Bildungsträger,Musiker,
Maler sowie kleine Handwerksbetriebe haben hier ihr neues Domizil gefunden.
Vieles ist noch angedacht, viele Flächen stehen noch leer. Ein einzigartiges
"Gemisch" aus Gewerbe und Kultur verleiht der "Alten Fabrik" ein neues
Gesicht. Wenn sich in naher Zukunft das Gelände zur Oder hin öffnet
und die Außenanlagen verschönert werden, wird es vielleicht durch seinen
ganz eigenen baulichen Charakter wie eine Insel am Fluß den Spaziergänger
zum Verweilen einladen.
Josephine Maria Lucas,
Frankfurt (Oder)